Selbsttätige Kontrollwaagen (SKW)
Selbsttätige Kontrollwaagen (SKW) im Sinne dieser Definition des Eichrechtes
sind in Deutschland seit ca. 1965 im Einsatz. Bereits zu dieser Zeit erreichten
die auch als „Checkweigher“ bekannten automatischen Bandwaagen
respektable Leistungen in Bezug auf Taktzahl und Messgenauigkeit. Das Handling
war allerdings noch sehr umständlich, da weder moderne Digitaltechnik
noch schnelle, hochauflösende Wägezellen mit befriedigender Linearität
verfügbar waren. Im Zuge der technischen Fortentwicklung werden SKW heutzutage
von schnellen Prozessorsystemen gesteuert; als Wägezellen stehen mehrere
Modellprinzipien alternativ zur Auswahl.
Die wichtigsten Einsatzbereiche von SKW sind:
1. Vollautomatische Gewichtskontrolle mit Aussondern von Fehlgewichten
2. Füllmengenoptimierung durch kontinuierliche Tendenzberechnung und
automatischem Justieren der vorgeschalteten Dosier- oder Schneideanlage
3. Vollständige statistische Gewichtsdatenerfassung, insbesondere bei
Einsatz zur Füllmengenkontrolle nach der Fertigpackungsverordnung (FPV)
Zu 1.: Eine SKW führt eine 100%-Gewichtskontrolle durch. Die den Förderbändern
zugeführten Produkte werden vereinzelt, automatisch verwogen und nach
der Wägeeinheit bei Bedarf separiert (GUT-Klasse / Unter- und/oder
Übergewichte). Dazu stehen verschiedene Auswerfersysteme zur Verfügung.
Die produktschonendste Variante ist ein sogenannter Linienverteiler, der
ein völlig berührungsloses Aussondern ermöglicht.

Auswerfersysteme von selbsttätigen Kontrollwaagen: pneumatischer Auswerfer
am Auslaufband (Weiche)

Auswerfersysteme von selbsttätigen Kontrollwaagen: 2-spuriger Linienverteiler
mit berührungsloser Separierung
Zu 2.: Die Tendenzsteuerung einer SKW erfasst ständig die Produktgewichte
und errechnet daraus zyklisch einen Mittelwert. Dieser wird in ein rechnerisches
Verhältnis zum gewünschten Sollwert gesetzt und anhand der festgestellten
Abweichung ein Korrektursignal zur Dosier/Schneidevorrichtung gegeben, welches
proportional zur Größe der Abweichung ist. Dadurch wird die Füllmenge
mittel- und langfristig derart optimiert, dass eine Quasi-Übereinstimmung
zwischen Istwert und Sollwert erfolgt. Die Parameter des Regelkreises sind
dabei frei definierbar; somit kann das Regelverhalten allen Arten von Produkten
sowie den Verstellmechanismen von Dosier- und Schneidemaschinen exakt angepasst
werden.
Zu 3.: Eine SKW kann auch ständige zeitaufwändige Gewichtsstichproben
und deren Auswertung ersetzen, welche in der FPV und im Eichrecht vorgeschrieben
sind. Dazu ist allerdings erforderlich, daß die SKW eichfähig
ist. Dies wiederum setzt eine Bauart-Zulassung bei der PTB (Physikalisch-Technische
Bundesanstalt) voraus. Ferner muss das System über eine Protokollierung
der Produktionsdaten verfügen, die in der Regel durch einen integrierten
Streifendrucker erfolgt. Alternativ kann eine SKW auch mit einer übergeordneten
EDV vernetzt werden. Die meisten Anbieter von SKW verfügen auch über
eigene PC-lauffähige Statistik-Programme mit der Anschlussmöglichkeit
mehrerer Wägeeinheiten.

Beispiel einer Protokollierung nach FPV
Bauarten von Kontrollwaagen
Man unterscheidet SKW in „dynamische“ und „statische“
Bauformen. Die typische dynamische SKW besteht aus einem System aneinandergereihter
Förderbänder, wobei eines – das Wägeband – auf
einer schnellen, hochauflösenden Messzelle aufgebaut ist. Alternativ
dazu kennt man auch die sogenannte „Schleifband-“ oder „Schleifketten-Ausführung“.
Statische SKW sind meist für hochpräzise Messungen eingesetzt
oder sind als Einbauversionen zur direkten Integration in Verpackungs-maschinen,
Dosieranlagen oder Schneidemaschinen geeignet.

Bauarten von selbsttätigen Kontrollwaagen: typische dynamische Band-Kontrollwaage

Bauarten von selbsttätigen Kontrollwaagen: Statische SKW, z.B. für die Karton-Endkontrolle (nur schematisch dargestellt)
„Dynamisch“ bedeutet dabei „im Durchlauf“, also
ohne Unterbrechung des laufenden Produktstromes. Eine „statische“
Messung dagegen wird in ruhendem Zustand ausgeführt, z.B. Anhalten
des Wägebandes, Ausheben des Produktes durch eine pneumatisch hochfahrende
Wägebrücke etc. etc.
Sehr wichtig für präzise Messungen ist die Notwendigkeit, die
zugeführten Produkte vor der Wägeeinheit perfekt zu vereinzeln,
da während einer Messung immer nur 1 Produkt in vollem Umfang auf dem
Wägeband positioniert sein darf. Ist dies infolge der Eigenschaften
der vorgeschalteten Aggregate nicht möglich, so kann eine SKW auch
mit ggf. mehreren Beschleunigungsbändern vor dem eigentlichen Wägeband
ausgestattet werden.

Vereinzelung einer dynamischen Bandkontrollwaage bei Produktzuführung
mit ungenügendem oder unregelmäßigen Abstand zueinander:
Das Zuführband läuft deutlich langsamer als das Beschleunigungsband
Wägezellen
Die heute eingesetzten Wägezellen – auch Messzellen genannt
– sind in der Regel Vollbereichs-Waagen. Die bei SKW verwendeten wichtigsten
Bauformen sind:
- Kraftkompensierte Messzelle (aufwändig, schnell, genau, robust)
- Dehnmessstreifenzellen (DMS) (einfach, schnell, genau, weniger robust)
- Wägezelle nach dem Prinzip der schwingenden Saite mit Frequenzmessung
(aufwändig, etwas träge, genau, weniger robust)
Die Kriterien für eine eichfähige SKW wird am besten mit einer
kraftkompensierten Wägezelle erfüllt. DMS-Wägezellen sind
aus bauartbedingten Gründen nur sehr schwierig zulassungsfähig;
saitenschwingende Messzellen erscheinen in der Anwendung für schnelle
Messungen mit einer SKW noch nicht ganz ausgereift. Aktuelle Entwicklungen
aus dem Bereich der Lasertechnologie müssen noch zur Serienreife gebracht
werden.
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